Korea im Überblick

Es ist an der Zeit das Land, in dem ich bis Ende Jahr leben werde, etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich möchte dazu verschiedene Blickwinkel einnehmen, um dies möglichst facettenreich zu gestalten. Mein Ziel ist es, euch ein gewisses Grundwissen über Südkorea zu vermitteln, sowie euch einige landesspezifische Bräuche und Traditionen näher zu bringen. Um euch auch die koreanische Denkweise, bzw. die Menschen vorzustellen, habe ich auch Interviews mit Einheimischen geplant. Dies wird in den nächsten Wochen folgen.

Doch für den Beginn heute, zuerst einmal das Wichtigste in Kürze:

Allgemeines

Die Republik Korea, allgemein Südkorea gennant, wurde am 15. August 1948 (Unabhängigkeit von Japan) gegründet. Das Land hat eine Fläche von 100’276 km2, somit ein wenig mehr als das Doppelte der Schweiz (41’285 km2). Vergleicht man jedoch die Einwohnerzahl von Südkorea und der Schweiz, wirkt der von der SVP geliebte Bergriff „Überbevölkerung“ fast schon lachhaft. Die Einwohnerzahl von Südkorea beträgt 50,64 Mio (Schweiz ca. 8.2 Mio) und ist somit rund 6 mal höher als diejenige unserer geliebten Schweiz. PS: Die Bemerkung wegen der Überbevölkerung sollte kein Angriff gegen die SVP sein, doch bald finden die eidgenössischen Wahlen statt und es gibt ja auch noch andere Parteien, die rechts der Mitte angesiedelt sind und gute Politik betreiben 😉 Sorry für das kurze Abschweifen…kommen wir zurück zum eigentlichen Thema!

Karte
Karte

Der böse Nachbar

Wie man der Karte (siehe oben) entnehmen kann, weist Südkorea nur eine Landesgrenze auf, nämlich diejenige zum berühmt berüchtigten Nordkorea. Das Verhältnis von Südkorea zum „Bösen Nachbarn“ war schon immer sehr angespannt. Genauere Infos dazu folgen in einem separaten Blogeintrag. Dieser allgegenwärtige Konflikt lässt sich nicht so schnell abhandeln.

Politik

Südkorea ist eine präsidiale Republik mit einem Einkammerparlament, das alle vier Jahre gewählt wird. Der Präsident/in wird alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt und kann nicht wieder gewählt werden. Die aktuell amtierende Präsidentin ist Park Geun-hye. In Südkorea haben alle Staatsbürger ab einem Alter von zwanzig Jahren Wahlrecht.

Präsidentin Park Geun-hye
Präsidentin Park Geun-hye

Ein sehr wichtiger Faktor, welcher die Politik massgebend prägt ist die Sicherheitspolitik, bzw. das Militär. Immerhin 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gibt Südkorea für seine Verteidigung aus. Konkret waren das im vergangenen Jahr, gemäss dem Internationalen Institut für Strategische Studien, 34,4 Milliarden US-Dollar. Das Budget der Schweiz mit rund 4.8 Milliarden US-Dollar wirkt dagegen winzig.

Dass das Thema Militär hier allgegenwärtig ist, habe ich auch schon mehrere Male in Gesprächen mit Koreanern wahrgenommen. Mein Zimmergenosse im Studentenwohnheim z.B. hat mir bereits eine Stunde nachdem ich ihn kennengelernt hatte davon erzählt. Er hat seinen obligatorischen Dienst, welcher hier 2 Jahre dauert, bereits absolviert. Das Militär hat hier wirklich einen sehr hohen Stellenwert.

Wirtschaft

Südkorea ist einer der vier Tigerstaaten. Das Land hat sich in den letzten Jahrzehnten unglaublich schnell entwickelt und ist zu einer der grössten Volkswirtschaften weltweit gereift (2014: Platz 13). Ich möchte an dieser Stelle nicht mit vielen Zahlen um mich werfen, aber für die „Zahlen-Menschen“ hier noch ein bisschen „Futter“ vom Bundesamt für Statistik :

Währung:  Won (KRW)

Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2013:  USD 1’221,6 Mrd.

BIP pro Einwohner:  USD 24’329

Schweizerkolonie :  227 Personen

Schweizer Exporte 2013:  USD 0,9 Mrd.

Schweizer Importe 2013:  USD 2,7 Mrd.

Die koreanische Mentalität

Die Kultur ist natürlich grundlegend anders, es ist schwierig, es zu beschreiben. Mir kommen dabei spontan die folgenden drei Schlagworte in den Sinn: Fleiss, Hierarchie, und die Wahrung des eigenen Gesichts. Im Prinzip sind diese drei Eigenschaften miteinander verzahnt. Doch zu allererst fällt mir als Student natürlich der Fleiss auf. Viele der Studenten lernen wirklich Tag und Nacht und sind dann tagsüber im Unterricht so müde, dass sie einschlafen. Die Lehrer stört dies meistens nicht.
Das Leistungsprinzip spielt für die Koreaner eine grosse Rolle, man definiert sich hier vor allem über das Bildungsniveau.

Nun noch etwas über die Hierarchie. Ein Wort, das auch in der Schweiz geläufig ist (z.B. im Militär). Erst hier in Korea habe ich erfahren, wie sich Hierarchien auf den Alltag auswirken können. Sie sind hier einfach viel präsenter und akzeptierter. So ist der Umgang von Studenten mit ihren Professoren etwa deutlich demütiger als z.B. an meiner Heim-Uni in Zürich. Doch auch draussen auf der Strasse erkennt man in vielen Situationen, dass ranghöhere Menschen auch als solche wahrgenommen und behandelt werden, wie etwa Polizisten.

Die Mentalität gefällt mir nicht in allen Lebenssituationen, trotzdem finde ich, dass die heutige Jugend in Europa sich ein Stück davon abschneiden könnte 😉

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