HUFS vs. HWZ – der Vergleich

Hallo zusammen

Als ich vor einigen Monaten noch mit der Planung meines Auslandsemesters beschäftigt war, hörte ich von diversen Seiten viel Negatives über das asiatische Bildungssystem. Es sei zu hart, zu kompetitiv. Man habe hier als Student schlicht und einfach kein Leben, keine Freizeit mehr. Mir kommt hier die Marxsche Entfremdungstheorie in den Sinn, jedoch in abgeleiteter Form. „Das Studium dominiert den Studenten“ anstelle von „Der Student dominiert das Studium“.

Doch keine Sorge, auch ich habe hier nebst dem Studium noch ein Leben, welches nicht nur vom Büffeln bestimmt wird. Entgegen allen wilden Spekulationen, gibt es hier in Korea auch ein Leben nach den Vorlesungen. Doch was sind die Unterschiede zum schweizerischen Bildungssystem, bzw. was sind die Unterschiede zwischen der Hankuk University of Foreign Studies (HUFS) und meiner Heim-Uni, der HWZ?

Unterrichtsstil

Hier liegt meiner Meinung nach der Hauptunterschied zwischen den beiden Organisationen. Während die asiatischen Professoren drei Stunden lang Folie um Folie zeigen und Theorie vorlesen, gestaltet sich der Unterricht an der HWZ doch (meistens) um einiges abwechslungsreicher und interaktiver. Es werden Gruppendiskussionen geführt oder Kurzaufträge für Präsentationen erteilt. Die Studenten werden einfach aktiver in den Unterricht miteinbezogen. Das ist hier definitiv nicht der Fall. An der HUFS habe ich bisher eine Gruppendiskussion von 10min miterlebt, das wars schon. Dies ist aber sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass die HUFS eine Universität und die HWZ eine Fachhochschule ist. Der Praxisbezug fehlt mir hier am meisten!

Die Dozenten

Die Dozenten hier sind im Vergleich zur HWZ sehr theoretisch veranlagt. Doch auch dies liegt in der Natur der Sache, da es sich hier um vollamtliche Professoren handelt. An der HWZ sind die Dozenten meist Leute aus der Wirtschaft, welche nebenbei noch ein gewisses Pensum an der Fachhochschule unterrichten . Trotzdem sind die Professoren an der HUFS sehr zugänglich. Man kann jederzeit auf sie zugehen, falls man z.B. etwas nicht genau verstanden hat. Dies ist auch an der HWZ der Fall.

Campus

Der Campus der HUFS ist um einiges grösser als derjenige der HWZ (auf dem Bild unten sieht man ca. 1/2 des HUFS-Campus). Wobei man bei der HWZ ja nicht wirklich von einem Campus sprechen kann, da es nur ein Gebäude ist. Dies spiegelt sich auch in der Anzahl Studenten nieder –> HUFS ca. 15’500 / HWZ ca. 2’200

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Unheimliche Stille

Ich will nicht behaupten, dass wir an der HWZ alle „Plauderis“ sind (gehöre selber dazu, an dieser Stelle liebe Grüsse an die BKO-D13), doch es wird während dem Unterricht schon viel gesprochen. Die Gespräche beinhalten dabei meist nicht-akademische Themen. An der HUFS ist dies total anders! Es ist beinahe schon unheimlich, wie konzentriert die Studenten den Worten der Professoren folgen. Es wird wirklich kaum mit dem Sitznachbarn geredet. Mir ist zudem aufgefallen, dass viele koreanische Studenten dauernd mit dem Kopf nicken während der Professor spricht und dies teilweise für drei Stunden am Stück. Es scheint so, als wollen sie damit ihr Interesse bekunden. Vielleicht in der Hoffnung, eine bessere Note zu „ernicken“?

Anwesenheit

Obwohl die HUFS eine Uni ist, wird hier sehr grossen Wert auf die Anwesenheit in den Vorlesungen gelegt. Zu Beginn jeder Stunde werden alle Namen vorgelesen und man hat sich dann zu melden. Eine Vorlesung, die ich momentan besuche, hat über 70 Studenten. Das kann folglich eine ganz schöne Weile dauern. An der HWZ wurde die Anwesenheitspflicht ja vor einiger Zeit abgeschafft. Ich finde dies persönlich auch sympathischer. Wir sind ja keine Kinder mehr und müssen selbst wissen was wir tun oder eben nicht tun.

Wo soll ich nur mit meinen Beinen hin?

Die Platzverhältnisse in den Klassenzimmern der HUFS sind wirklich sehr begrenzt. Jeder Student hat sein eigenes kleines Pult. Wenn ich meine Beine Stecken will, muss ich aufpassen, dass ich die Person vor mir nicht umstosse. Kein Witz! Die durchschnittliche Körpergrösse der Koreaner beträgt übrigens 172 cm bei den Männern und 163 cm bei den Frauen. In den Klassenzimmern der HWZ gestaltet sich die Platz-Situation doch um einiges komfortabler.

Kleiner Ausblick auf die nächsten Blog-Einträge

Wie ich bereits in einem vorherigen Eintrag erwähnt hatte, habe ich ein Interview mit einem Koreaner geplant. Ich möchte  ihn portraitieren und einige Anekdoten aus seinem Leben niederschreiben. Es handelt sich dabei um einen Studenten, so viel verrate ich bereits.

Nächste Woche sind hier in Korea die nationalen Feiertage (Chuseok). Ich werde mich in dieser Zeit ein wenig in Korea herumbewegen und im Seoraksan National Park (siehe Bild unten) wandern gehen. Hierfür habe ich eine Fotostrecke geplant.

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Ich freue mich auf eine spannende Zeit. Bis bald!

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