Das ungeschriebene „Gesetz der Lokalität“

Liebe Blogleser,

Die schrecklichen Bilder und Nachrichten aus Paris haben auch mich, beinahe 9000 km entfernt, erreicht. Ich möchte an dieser Stelle mein tiefstes Bedauern ausdrücken und wünsche meinen vielen französischen Freunden hier an der Uni viel Kraft.

In Europa spricht man bereits von Krieg, trotzdem sind die blutigen Geschehnisse hier in Seoul nicht ein so grosses Thema. Wie kommt dies? Ich habe heute zwei der grössten koreanischen Zeitungen analysiert und auch dessen Webpage besucht. Einerseits die „Chosun Ilbo“, die Zeitung mit der grössten Auflage in Korea und andererseits die „Korea Times“. Beide sind auch in englischer Sprache erhältlich.

In beiden Zeitungen waren die Terror Angriffe von Paris, einen Tag danach, nicht prominent auf der Frontseite vertreten. Vergleicht man dies mit den Schweizer Tageszeitungen, sieht dies anders aus.

Auf der Frontseite vom Tagi dreht sich alles um die Anschläge. Diverse Artikel, Bilder und Infografiken schildern das Grauen:

Front tagesanzeiger.ch: Man spricht von Krieg

Dasselbe Muster in der NZZ:

Bildschirmfoto 2015-11-16 um 01.04.29

Hier die Frontseite der Chosun Ilbo. Auf den ersten Blick ist nichts über die Attentate zu sehen:

Bildschirmfoto 2015-11-16 um 01.07.55

Warum werden die Anschläge in Paris hier nicht so wahrgenommen? Sind die Koreaner schlechte Menschen, die sich nur für sich interessieren? Nein!

Hand aufs Herz! Jetzt mal ganz ehrlich! Habt ihr gewusst, dass nur einen Tag vor Paris auch im Libanon ein IS-Anschlag verübt worden war, der 43 Menschen das Leben kostete? War der Anschlag im Libanon dominant auf den Frontseiten der Schweizer Tageszeitungen vertreten? Nein! Gab es diverse Artikel und Infografiken über die Geschehnisse? Nein!

Auch die Hollywood-Prominenz nimmt war, dass niemand vom Libanon spricht.
Auch die Hollywood-Prominenz nimmt wahr, dass niemand vom Libanon spricht.

Spätestens nun sollte einem klar werden, weshalb die Südkoreanischen Tageszeitungen nicht detailliert über Paris berichten. Es ist das ungeschriebene „Gesetz der Lokalität“, welches die Zeitungen bzw. die Journalisten antreibt. Das heisst konkret, es gibt die Tendenz, den Fokus bei Berichterstattungen auf Ereignisse zu legen, welche sich Nahe von „Zuhause“ abspielen. Mir ist bewusst das dieses „Gesetzt“ nicht in allen Fällen zutrifft. Passiert beispielsweise etwas in den USA, wird obwohl es weit entfernt liegt, darüber berichtet. Trotzdem ist die Lokalität in der Berichterstattung unverkennbar.

Persönlich stimmt mich diese Tendenz der Medienschaffenden, sei es in Europa oder auch hier in Südkorea, nachdenklich. Wieso wird nur darüber berichtet, wenn es einem geografisch wie auch gefühlsmässig nahesteht? Sind Menschenleben im Libanon weniger Wert als in Frankreich? Da sollte man wirklich weiter über den Tellerrand hinausschauen!

In diesem Sinne, pray for Paris and pray for Beirut!

CTwSb15WwAEN9q9

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