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Gamsahabnida Korea!

Liebe Blogleser,

Ich bin mittlerweile wieder zurück in der Schweiz. Nach gut vier Monaten in einem fernen Land und einer fremden Kultur, ist es für mich an der Zeit, Bilanz zu ziehen.

Persönlich hat mir das Auslandsemester enorm viel gebracht. Ich musste mich in einem neuen Umfeld behaupten und lernen mit Studenten aus aller Welt zusammenzuarbeiten. Ich kann mich noch gut an meine erste Gruppenpräsentation im Kurs „International Relations of Asia“ erinnern. Wir waren eine kunterbunte Truppe. Die Nationen Bangladesch, Brasilien, Südkorea und Deutschland waren mit mir im Team vertreten und wir versuchten die Geschichte der japanischen Aussen-und Wirtschaftspolitik anschaulich zu gestalten. Multikultureller geht’s kaum! Es folgten weitere Team-Projekte wie z.B. im Fach Organizational Behavior, wo ich mit einer jungen Dame aus Palästina zusammenarbeiten durfte. Neben den stundenlangen Meetings und harter Knochenarbeit, führten wir auch sonst interessante Gespräche. Man bekommt selten die Gelegenheit mit jemanden zu sprechen, die als Minderheit in einem Land lebt und dieses nicht einmal als das Eigene bezeichnen kann. Vielen Dank an dieser Stelle an Angelina für die spannenden Insights!

Die Unterrichtsstile zwischen der Schweiz und Korea könnten unterschiedlicher kaum sein. Über diese Unterschiede hatte ich ja bereits berichtet. Trotzdem ist es mir gelungen mich anzupassen und ich denke, dass ich mit meinen schulischen Leistungen schlussendlich auch sehr zufrieden sein kann.

Das grösste Highlight für mich war der Besuch des Seoraksan National Parks. Die Landschaft war einfach atemberaubend schön! Hier könnt ihr nochmals die Bilder des Trips einsehen. Während des Trips lernte ich zudem meine Freunde noch besser kennen. Ein grosses MERCI an meine zwei „Lieblings-Franzosen“ Charlotte und Bastien. Ohne euch wäre der Aufenthalt nur halb so cool gewesen!

Das Mediensystem in Südkorea, welches ich analysieren sollte, hatte mich teils vor grosse Herausforderungen gestellt. Es waren nicht sehr viele Informationen vorhanden. Trotzdem konnte ich durch meine Recherchen einige interessante Stories herausfiltern. Habt ihr zum Beispiel gewusst, dass Südkorea weltweit nur auf dem 60. Rang liegt, wenn es um die Pressefreiheit geht?

Last but not least möchte ich mich bei EUCH bedanken. Mein Blog wurde insgesamt 2385 mal aufgerufen, da kann ich doch ein wenig Stolz darauf sein. Euer Interesse hat mir geholfen stets motiviert und am Ball zu bleiben, auch in Zeiten, wo der Schreibfluss manchmal ins Stocken geriet.

Und nun, zuallerletzt, ein grosses Dankeschön an Südkorea, für die tollen Erlebnisse und die Gastfreundschaft.

Gamsahabnida Korea!

 

 

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Asiatisch sind bald nur noch Babys!

Schon einige Male bin ich nun durch die Strassen von Seoul geschlendert und habe mich dabei gefragt, wo eigentlich all die asiatischen mandelförmigen Augen geblieben sind. Nun die Frage hatte sich schnell erübrigt, bzw. ich wurde von meinem Hausvermieter aufgeklärt.

Südkorea hat nicht nur die grösste Abdeckung von Breitbandinternet-Anschlüssen, sondern auch die höchste Dichte an Schönheitskliniken. Das Land ist tatsächlich das Mekka der plastischen Chirurgie! Ein Viertel aller Eingriffe weltweit werden hier durchgeführt. Allein in der Hauptstadt Seoul gibt es mehr als 500 Kliniken und  jährlich 650’000 Operationen. Etwa die Hälfte davon sind Koreanerinnen und Koreaner und bei der anderen Hälfte handelt es sich meist um weibliche Touristen.  Die Branche setzt umgerechnet 4,5 Milliarden Franken um. Es ist ein Trend, der von der Regierung in Seoul nach Kräften unterstützt wird. Vom kommenden Jahr an, so hat es Präsidentin Park Geun-hye angekündigt, soll sogar die Mehrwertsteuer für Schönheitsoperationen für Ausländerinnen abgeschafft werden!

Die mit Abstand am häufigsten durchgeführte Operation ist die Lidfalte, denn viele Asiaten haben von Geburt aus keine, was die Augen müde aussehen lässt. Ein Eingriff, der ambulant ausgeführt werden kann.

Hier ein Bild vor und nach dem Eingriff:

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Die Mädchen bekommen diese Operation meist nach dem erfolgreichen Abschluss der High-School oder nach dem erfolgreichen Bestehen einer wichtigen Prüfung geschenkt. Und einmal begonnen, wollen viele mehr. Dann wird noch ein wenig an der Nase geschliffen, die Wangenknochen gerichtet oder der Busen vergrössert.

Ich habe mir oft die Frage gestellt, wieso ausgerechnet hier in Südkorea das Streben nach der äusserlichen Vollkommenheit, so ausgeprägt ist, wie nirgends anderswo auf dieser Welt. Schönheits-OP’s assoziiert man doch eher mit Ländern wie den USA oder Brasilien. Nun, auch auf diese Frage hatte mein Hausvermieter eine Antwort parat. In Ostasien hat das Äussere einen höheren Stellenwert als im Westen. Und das Schönheitsideal entspricht dem westlichen Standard, sprich man braucht vor allem grosse, schöne, runde Augen. Zudem verbessert kosmetische Chirurgie die Jobchancen in Korea. Und die Heiratsaussichten wohl auch.

Männer sind übrigens ebenso betroffen wie Frauen und erstaunlicherweise auch die Älteren! Es geht dabei weniger um Schönheit sondern mehr um Konkurrenz. Es ist nun halt einmal eine sehr kompetitive Gesellschaft und dies nicht nur in der Technologiebranche. Doppelte Augenlieder haben eine ähnlich grosse Bedeutung wie ein neues Auto oder ein iPhone.

Ich persönlich finde diesen Trend bedenklich. Man sollte seine Herkunft nicht verleugnen müssen und sich dem Mainstream anpassen. Zum Schluss stelle ich mir die Frage:

Werden in Zukunft nur noch die Babys asiatisch aussehen?

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Endspurt!

Liebe Blogleser,

Nach einer Woche „akademisch“ bedingter Abwesenheit, melde ich mich zurück. Die letzten sieben Tage waren geprägt von viel Stress und einigen unfreiwilligen Nachtschichten. Die Professoren hier lieben es, uns von Woche zu Woche mit neuen Case-Studies und Präsentationsvorbereitungen herauszufordern. So kam es, dass ich gerade eben meinte zweite Präsentation diese Woche halten durfte. Dauer 45min+ Q&A, dies alles alleine. Vorausgegangen war schweisstreibende, kopfzerbrechende Knochenarbeit um einen Harvard Business Case zu analysieren. Dies war bereits mein …zigster Harvard Business Case. Scheint hier wirklich populär zu sein!

Am 19. Dezember werde ich mit der Lufthansa in meine geliebte Schweiz zurückkehren. In Stein gemeisselt ist dies aber auch nicht. Kürzlich veröffentlichte Studien zeigen nämlich, dass die Wahrscheinlichkeit von einen Lufthansa-Streik betroffen zu sein, bei 27,24% liegen… 😉

Die Piloten der Lufthansa streiken erneut.

Es liegen also noch rund zwei Wochen vor mir! In dieser Zeit muss ich noch zwei Research-Paper abgeben und drei schriftliche Prüfungen schreiben. Klingt nach viel Stress, wird auch so sein! Trotzdem werde ich versuchen die restliche Zeit zu geniessen.

Was steht noch an? Nun ich habe es bisher immer noch nicht geschafft die DMZ, bzw. die Grenze zu Nordkorea zu besuchen. Dies steht definitiv noch auf meiner must-do Liste. Für einen Abstecher nach Japan wird es leider nicht mehr reichen, werde ich aber sicher zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.

So genug geschrieben, jetzt brauch ich erst mal einen Kaffee, dann widme ich mich dem Research-Paper…

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Social Media in Südkorea

Südkorea ist, was den technischen und digitalen Fortschritt betrifft, zweifelsohne eines der fortschrittlichsten Länder weltweit. Viele sehen Südkorea sogar als Leader. Dies manifestiert sich auch in einigen Statistiken. Wie bereits in einem früheren Blogeintrag erwähnt, sind 98% der Bevölkerung „online“ (aktive rund 90%, siehe Grafik unten).

Es scheint somit auf der Hand zu liegen, die Südkoreaner auch in Sachen Social Media als avantgardistisch bezeichnen zu können. Doch ist dies wirklich so? Ich bin der Sache mal auf den Grund gegangen.

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Rund 15 Millionen Menschen, sprich 30% der Bevölkerung sind aktive Social Media Nutzer. 13.4 Millionen nutzen ihr Mobiltelefon um auf Facebook, Twitter usw. zuzugreifen.

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Mit den 30% aktiven Nutzern liegt Südkorea nur knapp vor dem globalen Mittelwert.

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Dafür investieren sie täglich rund 1.3 Stunden und liegen damit über eine Stunde unter dem weltweiten Durchschnitt (2.4 Stunden). Angeführt wird diese Statistik, wie oben zu sehen, von Argentinien. Saudi-Arabien ist übrigens mit 3 Stunden relativ weit vorne. Einfach auf keinen Fall etwas regierungskritisches twittern, sonst droht ein Hieb mit der Peitsche!

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Die Tendenz, mehr Zeit im Internet und auf den sozialen Netzwerken zu verbringen, ist steigend. Die Anzahl der aktiven Social Media User hat im letzten Jahr beispielsweise um 15% zugenommen.

Die folgenden Social Media Plattformen sind die beliebtesten:

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Kakao Talk, der Dienst welcher am Meisten verbreitet ist, ist ein Messenger, welcher auf dem PC sowie dem Mobile benutzt werden kann. Mann kann damit Nachrichten, Bilder, Musik und andere Dateiformate versenden.

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Weltweit gesehen spielt Kakao Talk aber keine Rolle mehr. Hier dominiert Facebook.

Fazit

Obwohl Südkorea in Sachen Internetabdeckung und Verbindungsgeschwindigkeit an vorderster Stelle figuriert, zeigen die Bewohner doch noch eine gewisse Scheue, wenn es um Soziale Medien geht. Man bewegt sich hier nahe dem weltweiten Mittelwert. Trotzdem gibt es eine Social Media Domaine, worin die Südkoreaner sehr stark vertreten sind. Das Land hat die zweitgrösste blogging community der Welt. Ob dies wohl auf meine vielen Einträge zurückzuführen ist?

 

Quelle

Kemp, Simon: Digital, „Social and Mobile worldwide in 2015“, unter:

http://wearesocial.net/blog/2015/01/digital-social-mobile-worldwide-2015/ (abgerufen am 22.11.2015)

„Ich möchte einmal der Hugh Hefner von Südkorea werden“

Es ist kurz nach Mittag. Ich sitze im Kaffee, schlürfe genüsslich an meinem Vanilla Latte und versuche mir gerade einen Überblick über die kommenden Prüfungen und Präsentationen zu verschaffen. Doch da öffnet sich plötzlich die Tür und mein Interview-Partner schreitet herein. Zu behaupten der Raum hätte sich wegen seiner körperlichen Statur abgedunkelt wäre wohl ein wenig übertrieben, trotzdem wirkt Wan Choi inmitten all den Asiaten, wie ein Hühne unter seinesgleichen.

Ich kenne Wan aus der Klasse „Broadcasting Media, Contents&User“. Er war mir von Anfang an aufgefallen, da er jeden Tag seine, in Tupperware rationierten, Menus im Klassenzimmer verspeiste und diese anschliessend immer mit einem Protein-Shake herunterspülte. Es war ausserdem mühsam wenn man im  Unterricht hinter ihm sitzen musste, da man dann aufgrund seines breiten Rückens, fast nicht mehr nach vorne sah. So kamen wir eines Tages ins Gespräch. Er zeigte reges Interesse für meinen Blog und für meine Idee koreanische Studenten zu interviewen.

So sitzen wir heute also hier und er beginnt gleich aus dem Nähkästchen zu plaudern. Ich habe keine konkreten Fragen vorbereitet. Das Gespräch soll möglichst offen und unkompliziert verlaufen. Ich merke bald, dass sich dies auszahlt.

Wan ist in Daegu, der viertgrössten Stadt Südkoreas, aufgewachsen. Während er mir seine Jugendzeit als typisch koreanisch (lernen, lernen, lernen) beschreibt, fällt mir auf wie seine Blicke immer wieder abschweifen und er durch das Fenster die vorbeifahrenden Autos beobachtet. Ich spreche ihn darauf an und er erklärt mir, dass er deutsche Autos mag. Besonders Mercedes. Diese würden für ihn die „europäische Macht“ repräsentieren.

Er sei ein ganz normaler koreanischer Teenager gewesen. Seine Eltern seien sehr konservativ und er verbrachte die meiste Zeit damit sich intellektuell weiterzubilden. So kam es auch, dass er die High School als Klassenbester abschloss. Seine Eltern seien sehr stolz auf ihn gewesen. Während er mir dies erzählt, spüre ich, wie eine gewisse Emotionalität in ihm aufkommt.

Nach der Highschool absolvierte Wan den obligatorischen Militärdienst. Dieser dauert in Südkorea ganze zwei Jahre. Im Unterschied zum WK in der Schweiz, ist es den Soldaten nicht erlaubt am Wochenende nach Hause zu gehen. Man ist ständig in einer Basis stationiert und hat pro Jahr lediglich 25 Ferientage zu gute. Es herrscht auch striktes Handyverbot. Nur per Münztelefon kann man einige Minuten mit seinen Liebsten kommunizieren. Wan beschreibt seine Zeit im Militär trotzdem ziemlich positiv. Er habe dort viel fürs Leben gelernt und hat dort auch mit dem Bodybuilding begonnen.

Bodybuilding und das Lernen für die Universität sind heute Wan’s grösste Hobbies. Langsam beginne ich zu realisieren, dass Wan ein spezieller Zeitgenosse ist. Auf die Frage, warum er dann so viel trainiere, hat er eine interessante Antwort parat. Für einen Koreaner habe er kein schönes Gesicht, daher müsse er dies mit einem Astralkörper kompensieren. Ich merke schnell, dass er dies total ernst meint. Zudem hat er einen speziellen Wochenplan, was die Kleidung betrifft. Er trägt jeweils jeden Tag die gleichen Kleider, sprich hat er ein Outfit für den Montag, Dienstag, Mittwoch etc.. Dies tut er, weil er sich nicht jeden Tag überlegen möchte, was er anzuziehen hat. Er möchte diese Energie nicht verschwenden und diese lieber in das tägliche Lernen investieren.

Als ich ihn gegen Ende des Gespräches auf seine Zukunftspläne ansprach, fiel eine weitere, sehr amüsante, Äusserung. Er wolle nach dem Studium schnell eine steile Karriere im Wirtschaftsbereich hinlegen. Sein Ziel sei es, so viel Geld zu verdienen um sich eines Tages eine Villa leisten zu können, die er dann mit einem Dutzend Models bewohnt. „Ich möchte einmal der Hugh Hefner von Südkorea werden“, erzählt er mir in prahlerischer Art und Weise.

Am Schluss des Gespräches wollte ich noch gerne ein Bild von ihm machen, um es auf dem Blog zu posten. Er bat mich jedoch darum dies nicht zu tun. Er stehe nicht gern in der Öffentlichkeit. Irgendwie paradox…

 

Das ungeschriebene „Gesetz der Lokalität“

Liebe Blogleser,

Die schrecklichen Bilder und Nachrichten aus Paris haben auch mich, beinahe 9000 km entfernt, erreicht. Ich möchte an dieser Stelle mein tiefstes Bedauern ausdrücken und wünsche meinen vielen französischen Freunden hier an der Uni viel Kraft.

In Europa spricht man bereits von Krieg, trotzdem sind die blutigen Geschehnisse hier in Seoul nicht ein so grosses Thema. Wie kommt dies? Ich habe heute zwei der grössten koreanischen Zeitungen analysiert und auch dessen Webpage besucht. Einerseits die „Chosun Ilbo“, die Zeitung mit der grössten Auflage in Korea und andererseits die „Korea Times“. Beide sind auch in englischer Sprache erhältlich.

In beiden Zeitungen waren die Terror Angriffe von Paris, einen Tag danach, nicht prominent auf der Frontseite vertreten. Vergleicht man dies mit den Schweizer Tageszeitungen, sieht dies anders aus.

Auf der Frontseite vom Tagi dreht sich alles um die Anschläge. Diverse Artikel, Bilder und Infografiken schildern das Grauen:

Front tagesanzeiger.ch: Man spricht von Krieg

Dasselbe Muster in der NZZ:

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Hier die Frontseite der Chosun Ilbo. Auf den ersten Blick ist nichts über die Attentate zu sehen:

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Warum werden die Anschläge in Paris hier nicht so wahrgenommen? Sind die Koreaner schlechte Menschen, die sich nur für sich interessieren? Nein!

Hand aufs Herz! Jetzt mal ganz ehrlich! Habt ihr gewusst, dass nur einen Tag vor Paris auch im Libanon ein IS-Anschlag verübt worden war, der 43 Menschen das Leben kostete? War der Anschlag im Libanon dominant auf den Frontseiten der Schweizer Tageszeitungen vertreten? Nein! Gab es diverse Artikel und Infografiken über die Geschehnisse? Nein!

Auch die Hollywood-Prominenz nimmt war, dass niemand vom Libanon spricht.
Auch die Hollywood-Prominenz nimmt wahr, dass niemand vom Libanon spricht.

Spätestens nun sollte einem klar werden, weshalb die Südkoreanischen Tageszeitungen nicht detailliert über Paris berichten. Es ist das ungeschriebene „Gesetz der Lokalität“, welches die Zeitungen bzw. die Journalisten antreibt. Das heisst konkret, es gibt die Tendenz, den Fokus bei Berichterstattungen auf Ereignisse zu legen, welche sich Nahe von „Zuhause“ abspielen. Mir ist bewusst das dieses „Gesetzt“ nicht in allen Fällen zutrifft. Passiert beispielsweise etwas in den USA, wird obwohl es weit entfernt liegt, darüber berichtet. Trotzdem ist die Lokalität in der Berichterstattung unverkennbar.

Persönlich stimmt mich diese Tendenz der Medienschaffenden, sei es in Europa oder auch hier in Südkorea, nachdenklich. Wieso wird nur darüber berichtet, wenn es einem geografisch wie auch gefühlsmässig nahesteht? Sind Menschenleben im Libanon weniger Wert als in Frankreich? Da sollte man wirklich weiter über den Tellerrand hinausschauen!

In diesem Sinne, pray for Paris and pray for Beirut!

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Pressefreiheit in Südkorea – Wahrheit oder Märchen?

Nur im vorderen Mittelfeld

Gemäss der aktuellen Rangliste der Pressfreiheit, welche jährlich von der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ publiziert wird, liegt Südkorea weltweit auf dem 60. Rang (Total 180). Während Finnland auf dem ersten Platz trohnt, schafft es die doch sehr westlich angehauchte demokratische Republik nur ins vordere Mittelfeld. Ich muss zugeben, dies hat mich doch überrascht und es diente zudem als Anstoss, mich genauer mit dem Verhältnis zwischen Medien, Staat und Politik auseinanderzusetzen. Die Schweiz befindet sich gemäss der Rangliste übrigens nur auf dem 20. Platz. Ein Schelm wer dabei Böses denkt.

Südkoreas Verfassung sieht zwar eine unabhängige Presse vor, trotzdem ist der Einfluss des Staates auf die Berichterstattung deutlich spürbar. Doch drehen wir das Rad der Zeit ein Wenig zurück.

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Sonnenschein-Politik unter Präsident Kim Dae-jung

Der Einfluss der Regierung auf die Medien und die Berichterstattung lässt sich gut anhand der Sonnenschein-Politik unter Präsident Kim Dae-jung (1998-2003) illustrieren. Während dieser Periode, wurde der damalige nordkoreanische Führer Kim Jong-il von den südkoreanischen Medien nicht als Diktator, sondern als „Chairman“ bezeichnet. Nur wenige Journalisten trauten sich über die Menschenrechtsverletzungen oder die Massenvernichtungswaffen des nördlichen Nachbars zu berichten. Die Wenigen, die es taten, wurden als Störenfriede und Brandstifter bezeichnet, welche die Bemühungen für eine friedliche Annäherung zu den verlorenen Brüdern und Schwestern gefährden würden.

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Pyongyang, 15. Juni 2000: Präsident Kim Dae-jung und der ehemalige nordkoreanische Diktator Kim Jong-il treffen sich freundschaftlich

Präsident Kim verbot ausserdem den Besuch des Dalai Lama, dies um die wichtigen wirtschaftlichen Beziehungen zu China nicht zu stören. Auch in diesem Fall berichtete die Presse dementsprechend und vertrat die Standpunkte der Regierung. Es fand kein kritischer Diskurs über den Tibet-China Konflikt statt.

„Wer heute zu kritisch ist, landet im Sportressort“

Auch heute, über 10 Jahre später, ist die Pressefreiheit ein sensibles Thema und aktueller denn je. Im Jahre 2008 berichtete der Journalist Il Jun Song in einer TV-Dokumentation über die Gefahren von Rindfleischimporten aus den USA. Er arbeitete damals für den Rundfunksender MBC (Munhwa Broadcasting Corporation). Nur kurze Zeit später wurde er kaltgestellt. Obwohl er einen anschliessenden Gerichtsprozess gewann, darf er seitdem nur noch kleinere Projekte koordinieren. Ein weiterer Journalist, welcher die Macht der koreanischen Regierung, unter der aktuellen Präsidentin Park Geun-hye zu spüren bekam, ist Keun-Haing Lee. Er arbeitete als investigativer Reporter beim öffentlich-rechtlichen Rundfunksender KBS (Korean Broadcasting System). Weil er die Politisierung seines Senders nicht mehr weiter dulden wollte und aktiv dagegen protestierte, wurde es kurzum ins Sportressort versetzt!

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Kritische Stimmen verbleiben

Il Jun Song und Keun-Haing Lee arbeiten heute beide für den unabhängigen Online -TV-Sender Newstapa. Newstapa ist der grösste verbliebene Player des investigativen und regierungskritischen Journalismus in Südkorea und ist ausserdem der einzige nationale Partner des International Consortium of Investigative Journalists. Dies ist ein internationales Netzwerk mit über 190 investigativen Journalisten, welches in über 65 Ländern vertreten ist. Newstapa berichtet zwei Mal in der Woche über Themen, welche vom Rest der Medienlandschaft nicht abgedeckt werden. Trotzdem gibt es, zu meinem Erstaunen, auch in der Redaktion von Newstapa ein Tabuthema. Es gibt in Südkorea das Gesetz über die nationale Sicherheit. Dieses schreibt im Prinzip vor, dass Nordkorea böse ist. Somit ist es verboten, jegliche Sympathien gegenüber Nordkorea auszudrücken, bzw. zu publizieren. Tut man dies nicht, ist es mit der Freiheit vor Kontrolle durch den Staat auch schnell wieder vorbei.

Seriöser Journalismus oder Revoluzzer?

Als ich mich während meiner Recherchen mit Newstapa auseinandergesetzt habe, habe ich mich einige Male gefragt, ob es sich dabei um seriösen, kritischen und investigativen Journalismus handelt, oder ob es schlicht und einfach eine revolutionäre Bewegung ist, welche versucht mit Verschwörungstheorien Aufmerksamkeit zu erlangen. Diese Frage lässt sich abschliessend nur sehr schwierig beantworten. Unter anderem ist dies darauf zurückzuführen, dass viele Informationen über diese Organisation nur in koreanischer Sprache vorhanden sind. Um meine persönliche Meinung zu vervollständigen und um euch weitere interessante Infos zu liefern, werde ich versuchen mit der Organisation Kontakt aufzunehmen und eventuell einen Interview-Termin zu vereinbaren. Ich kann an dieser Stelle nichts versprechen, doch ich gebe wie immer mein Bestes!

Abschliessend möchte ich noch erwähnen, dass ich mit diesem Beitrag keinerlei Brandstiftung betreiben möchte. Es ist ja nicht so, dass ich mich in einem Land wie Russland, China oder Nordkorea befinde, wo die Medien von der Regierung total instrumentalisiert werden. Eine gewisse Zensur oder „strukturelle Korruption“ findet überall statt. Dies hatte bereits der berühmte französische Soziologe Pierre Bourdieu, in seinem Werk „Über das Fernsehen“ (1996), erkannt. Trotzdem möchte ich versuchen mich kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Hoffe euch hat’s gefallen!

Zusätzliche Infos

Hier ein interessanter Artikel der Südddeutschen Zeitung aus dem Jahre 2012. Betrifft das oben erwähnte Gesetz über die nationale Sicherheit und welche Folgen es mit sich ziehen kann, wenn man dagegen verstösst.

http://www.sueddeutsche.de/politik/parodie-auf-propaganda-aus-nordkorea-gericht-bestraft-suedkoreanischen-twitterer-1.1534419

Hier eine Video-Dokumentation von Newstapa über das Fährunglück aus dem Jahre 2014. Ein kritischer Bericht über das Handeln der Regierung während dieser grossen Krise.

Quellen

Pressreference: „South Korea“, unter:

http://www.pressreference.com/Sa-Sw/South-Korea.html (abgerufen am 13.11.2015)

Felix, Lill: „Wer zu kritisch ist, landet im Sportressort“, unter:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-02/suedkorea-journalismus-newstapa (abgerufen am 13.11.2015)

Der Koreakrieg

Ein Produkt des Kalten Krieges

Als am 25. Juni 1950 die Nordkoreanische Volksarmee über den 38. Breitengrad in den Süden einfiel, bedeutete dies den definitiven Ausbruch des Koreakrieges. Die Invasion des kommunistischen Nordens, unter der Führung von Kim Il-Sung, war der erste Stellvertreterkrieg zwischen der USA und der Sowjetunion während des Kalten Krieges. Der Krieg sorgte international für grosse Beunruhigung, einige befürchteten sogar den Ausbruch des Dritten Weltkrieges. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Teilung nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Südkorea unter den beiden Siegermächten, der Sowjetunion und den USA, aufgeteilt. Zuvor befand sich das Land unter japanischer Kontrolle (Annexion 1910), doch da Japan bekanntlich zu den Verlierern des Zweiten Weltkriegs gehörte, musste man die Ansprüche aufgeben. Südkorea wurde am 38. Breitengrad aufgeteilt, sprich es wurde eine Grenze gebildet. Das Gebiet im Norden gehörte zur sowjetischen Besatzungszone, jenes im Süden zur amerikanischen. Die Grossmächte USA, Vereinigtes Königreich und die Sowjetunion hatten ursprünglich sogar die Idee, das Land zu einem vereinigten und unabhängigen Korea zu machen. Auch die Regierung sollte frei gewählt werden können. Doch weil sich die Grossmächte, insbesondere die USA und die UdSSR nicht detailliert einigen konnten und der Kalte Kriegs bereits ausgebrochen war, konnten diese Vorhaben nicht umgesetzt werden. Auch innerhalb Koreas kam es vermehrt zu Spannungen, die Fronten verhärteten sich und so kam es wie es kommen musste…

Stalin gibt Erlaubnis

Als die Nordkoreanischen Truppen die Grenze überschritten und danach einen US-Luftwaffenstützpunkt attackierten, taten sie dies mit der Zustimmung von Josef Stalin. Natürlich musste die USA darauf reagieren. Der US-Botschafter in Südkorea sandte noch am gleichen Tag ein Hilfegesuch an den damaligen US-Präsidenten Harry S. Truman, welcher dann ebenfalls militärische Schritte anordnete.

UNO interveniert

Nach der Invasion durch den Norden, sah sich die internationale Gemeinschaft gezwungen zu reagieren. Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte das Vorgehen als Friedensbruch und entsandte darauf militärische Einheiten nach Südkorea. Die Truppen unter dem Kommando von US-General Douglas MacArthur waren zunächst nicht besonders erfolgreich. Bereits am ersten Tag nach dem Kriegsausbruch konnte der Norden drei Südkoreanische Städte erobern und bis Ende Juni 1950 wurde auch Seoul besetzt. Mac Arthur war unzufrieden und verschärfte daraufhin die militärischen Einsätze. Er liess unter anderem Napalm-Kanister auf feindliche Truppenansammlungen abwerfen und errichtete ausserdem eine Seeblockade. Schliesslich konnte Seoul aber von den Amerikanern zurückerobert werden, die Nordkoreaner gerieten mehr und mehr in Bedrängnis.

China mischt sich ein

China hatte unterdessen wiederholt vor einer Überschreitungen des 38. Breitengrades durch US-Einheiten gewarnt. Weil General MacArthur dies aber weitgehend ignorierte, griff auch der nördliche Nachbar in den Koreakrieg ein und unterstützte die nordkoreanische Seite dermassen erfolgreich, dass die US-Truppen sich teils fluchtartig zurückziehen mussten. Letztlich führte anfangs 1951 eine Offensive mit einer halben Million chinesischer und nordkoreanischer Soldaten dazu, dass Seoul von den US-Streitkräften und vielen Zivilisten verlassen werden musste. Doch bereits im März 1951 konnte diese Stadt wieder zurückerobert werden und die UNO-Truppen rückten bis leicht über den 38. Breitengrad vor. Es begann ein Stellungskrieg, welcher zunehmend erstarrte.

Bis heute kein Friedensvertrag

Die letzte große Schlacht war die Schlacht von Heartbreak Ridge im Herbst 1951, welche beide Seiten mit hohen Verlusten bezahlen mussten. Erst im Juli 1533 kam es zu einem Waffenstillstand. Bis es so weit kam flog die USA noch einige massive Bombardements auf Nordkorea und übte so einen starken Druck aus. Bei diesen Luftangriffen kamen schätzungsweise eine halbe bis eine Million Menschen ums Leben. Ingesamt kamen während dem Koreakrieg 4.5 Millionen Menschen ums Leben. Die Situation ist bis heute angespannt, der Konflikt ist noch lange nicht gelöst. Es existiert zwar der Waffenstillstand, doch bis heute gibt es keinen Friedensvertrag. Und wie labil sich der Waffenstillstand präsentiert, zeigte sich erst kürzlich, als der Konflikt wieder kurz vor einer Eskalation stand –> Artikel aus der NZZ vom 21.08.15

War Memorial of Korea

Ich habe kürzlich das War Memorial of Korea in Seoul besucht. Es dokumentiert die Geschichte des Koreakrieges und soll zudem als Gedenkstätte für die gefallenen Seelen dienen. Hier einige Eindrücke von meinem Besuch dort:

The statue of Brothers
The statue of Brothers

Die Statue zeigt einen Südkoreanischen Offizier und seinen jüngeren Bruder, ein Nordkoreanischer Soldat. Sie begegnen sich auf dem Schlachtfeld und umarmen sich. Die Statue symbolisiert Versöhnung, Liebe und Verzeihung. Der Riss in der Statue symbolisiert die Teilung von Korea, aber auch die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung.

Tower of Korea
Tower of Korea

Der Tower of Korea zeigt ein bronzenes Schwert und einen Baum des Lebens. Das Schwert repräsentiert dabei den „Geist des Krieges“. Der Baum hingegen den Wohlstand und die Friedliebigkeit des Koreanischen Volkes.

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Statues Defending the Fatherland
Statues Defending the Fatherland

Diese Statue zeigt 38 Menschen während des Krieges in verschieden Situationen des Krieges. Soldaten, Verletzte oder Kinder alle mit dem einen Ziel, den Krieg zu überstehen.

Korean War Museum
Korean Memorial of Korea

Hier das Hauptgebäude des Museums. Ausserdem Flaggen von Nationen oder Organisationen, welche im Krieg involviert waren.

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Statuen von gefallenen Südkoreanischen Kriegshelden zieren die Eingangshalle des Museums.

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Gedenkstätte im Inneren des Museums. Es brennen einige Lichter für die Gefallenen.

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Raum der Stille in Gedenken an die Opfer.

Für alle die sich weiter für den Koreakrieg interessieren, hier eine interessante Videodokumentation über die Vorgeschichte und den Verlauf des Krieges: